Nationalrat, XXV. GP; 29. März 2017; 171. Sitzung / 1

20.37

Abgeordnete Petra Bayr, MA (SPÖ): Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich wollte jetzt eigentlich überhaupt nicht zu diesem Thema sprechen, sondern zu etwas ganz anderem, aber ich möchte erstens einmal meiner Vorrednerin in ihrer Analyse, auch in ihrer Entlarvung der Scheinargumente, die ich wirklich genauso sehe, völlig recht geben und möchte vielleicht auch noch hinzufügen: Keine Frage, wir alle wünschen uns weniger Schwangerschaftsabbrüche! Das ist vollkommen logisch, no na net! Ein Schwangerschaftsabbruch kann nie im Leben ein Ersatz für eine sinnvoll und richtig angewandte Verhütung sein. Wir wissen aber auch, dass wir eines der wenigen Länder in Europa sind, in denen nicht entweder Verhütungsmittel oder der Schwangerschaftsabbruch durch die öffentliche Hand bezahlt werden. Damit hängt auch die Tatsache zusammen –sie haben es bereits gesagt –, dass es keine entsprechenden Statistiken gibt: weil das eben nicht öffentlich bezahlt, nicht durch die öffentliche Hand bedeckt wird. Somit ist es ganz logisch, dass es darüber keine öffentlichen Aufzeichnungen gibt.

Wir wissen aber zum Beispiel aus dem Verhütungsreport von Christian Fiala, dass für die allermeisten Frauen das Hemmnis, zu guten, wirksamen, modernen und verlässlichen Verhütungsmitteln zu greifen, der Umstand ist, dass sie es sich nicht leisten können. Das klingt jetzt vielleicht lächerlich, weil wir wissen, dass die Dreimonatsspritze, die Pille, was auch immer, keine Unmengen kosten. Natürlich tun sie das nicht, aber für Leute, die am Ende des Monats wirklich raufen, um ihren Kindern noch ein warmes Essen geben zu können, ist auch das sehr viel Geld.

Ich glaube daher, wir sollten wirklich darüber nachdenken, einen ganz anderen Ansatz zu suchen, und es zu unserem Ziel machen, für möglichst viele Frauen wie Männer – wir sollten da auch die Männer nicht aus der Verantwortung entlassen – den Zugang zu modernen Verhütungsmitteln zu schaffen. Wir sollten dafür sorgen, dass wir – und da ist Finnland exemplarisch als Beispiel zu nennen – guten Sexualkundeunterricht anbieten. Irgendjemand hat gesagt: Was hat Sexualkunde, was hat der Sexkoffer, der Verhütungskoffer im Kindergarten zu suchen? – Er hat überall etwas zu suchen! Dabei geht es nicht darum – wie letztens, als der Erlass zur Sexualerziehung erneuert wurde, behauptet worden ist –, Kindern im Kindergarten beizubringen, wie man sich selbst befriedigt oder sonst irgend etwas Skurriles. Das ist alles Schwachsinn.

Darum geht es überhaupt nicht, sondern es geht darum, seinen Körper kennenzulernen, seinen Körper akzeptieren zu können, damit umgehen zu können, Grenzen setzen zu können, Nein zu sagen, wenn man etwas nicht will. Damit kann man gar nicht früh genug anfangen. (Beifall bei der SPÖ.)

Das hat dann auch einen relaxten und normalen Zugang zur Sexualität und zur Verhütung, ein Darüber-Reden, wer verhütet, wie wir das machen, zur Folge. Ich halte auch einen sachlichen und evidenzbasierten Zugang zu dieser Frage für höchst notwendig, Statistiken über Abbrüche helfen uns dabei aber nicht weiter. – Danke sehr. (Beifall bei der SPÖ.)

20.40

Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort gelangt nun Herr Abgeordneter Mag. Ofenauer. – Bitte, Herr Abgeordneter.