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Bayr: Starke Frauen, schwach gemacht

Utl.: "femmes globales" zur Situation von Frauen in der Volksgruppe der Roma

 "Frauen wie Ceija Stojka haben den Holocaust überlebt, weil sie starke Frauen sind. Und doch hat man immer versucht, Frauen aus der Volksgruppe der Roma schwach zu machen", sagt Petra Bayr, SPÖ-Bereichssprecherin für globale Entwicklung, anlässlich einer Veranstaltung zur Situation der Romni im Rahmen der Reihe "femmes globales", die heute Abend im ega stattfindet. "Die Marginalisierung wirkt sich direkt auf das Leben der Frauen aus, verringert ihre Bildungschancen, erschwert ihren Zugang zum Arbeitsmarkt, aber auch zum Gesundheitssystem und zu Sozialleistungen und sie hindert ihre politische Partizipation", beschreibt Bayr die Situation vieler Romni. ****

"Mit dem furchtbaren Rohrbombenattentat in Oberwart im Februar 1995, das dezidiert gegen die Volksgruppe der Roma gerichtet war, gelangte die Volksgruppe der Roma sowie ihre Benachteiligung in Sachen Bildung, Arbeitsmarkt und Wohnraum erst in das breite österreichische politische Bewusstsein", so Bayr, die bedauert, dass es erst vier Opfer eines Mordes geben musste, bevor es zu Fördermaßnahmen kam. Es folgte eine Reihe von Anstrengungen in Richtung Armutsbekämpfung, Bildung und Zugang zum Arbeitsmarkt und zu Wohnraum. Die Rolle von Frauen war dabei oft untergeordnet, "und das, obwohl klar ist, dass Romafrauen oft von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind: aufgrund ihrer Volksgruppenzugehörigkeit, des Geschlechts und der sozialen Stellung. Auch innerhalb der Volksgruppe geschieht die Auseinandersetzung mit Geschlechterstereotypen nur sehr zögerlich", kritisiert Bayr. Es ist politisch also noch viel zu tun, um die reale Alltagssituation von Romafrauen zu verbessern.

Roma und Sinti sind in ganz Europa von Diskriminierung, aber auch von Rassismus betroffen. Eng damit verknüpft ist das Risiko, in Armut zu leben, besonders viele Kinder zu bekommen und eine deutlich niedrigere Lebenserwartung zu haben. Besonders trist sieht die Situation von Romni beispielsweise in Tschechien aus, wo Zwangssterilisationen dokumentiert sind. "Betroffene Frauen kämpfen dort um Entschädigungen, aber haben bisher nicht einmal eine Entschuldigung bekommen!", bezieht sich Bayr auf einen Bericht des Ombudsmanns der tschechischen Republik. Auch in Mazedonien werden Roma diskriminiert, sie gehören zur ärmsten Gesellschaftsschicht. Rund die Hälfte der Frauen haben keine Grundschulausbildung, daher wesentlich schlechteren Zugang zu Arbeit und weniger Chancen im Leben. "Auch innerhalb der Romagemeinde kommt es zu Diskriminierungen von Frauen und zu häuslicher Gewalt, an der oft Tradition, Kultur und Rollenzuschreibungen schuld sind. Gerade dann wären Behörden, an die sich die Frauen wenden können, besonders wichtig", ist Bayr überzeugt und weiß aber im Gegenteil von Frauen, die dort ein weiteres Mal Opfer von rassistischen Übergriffen durch Polizeibeamte werden.

"Die Roma. Selbst- und Fremdbilder einer Volksgruppe"

Heute Abend um 18:30 Uhr im ega: frauen im zentrum, Windmühlgasse 26, 1060 Wien

Begrüßung: Petra Bayr - SPÖ-Bereichssprecherin für globale Entwicklung

Vorträge von: Mimmi Demitri von Pezold - Ethnologin Ljiljana Lukic - Verein Vida Pavlovic

Moderation: Gilda Horvath - Journalistin

(Schluss) bj

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