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APA108 5 AI 0281 CA                                       07.Feb 10

Bayr: Genitalverstümmelung wird in Sopron angeboten

Utl.: SPÖ-Politikerin protestiert gegen Menschenrechtsverletzung =

   Wien (APA) - Petra Bayr, die Initiatorin der Österreichischen Plattform gegen weibliche Genitalverstümmelung und entwicklungspolitische Sprecherin der SPÖ, kritisiert, dass in Sopron in Ungarn weibliche Genitalverstümmelung als "Schönheitsoperation" angeboten werde. "Weibliche Genitalverstümmelung bekämpfen wir seit Jahren als grausame Menschenrechtsverletzung, die wir aus dem afrikanischen und asiatischen Kulturraum kennen. Aber auch in Europa gibt es derart Unfassbares, wie uns der neueste Skandal aus einem ungarischen 'Schönheits-Center' zeigt - einfach ungeheuerlich", empört sich Bayr in einer Aussendung vom Sonntag.

   Weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation - FGM) sei eine jahrtausendalte Praxis, die Mädchen an ihren Genitalien verstümmelt, welche lebenslange Schmerzen und psychische Traumata verursacht.  Im ungarischen Sopron, nahe der österreichischen Grenze, werde als "Intimoperation" neben einer Schamlippenverkleinerung auch "Beschneidung" angeboten, heißt es in der Aussendung. "Die Recherchen der Journalistin Elfriede Hammerl von der Wochenzeitung profil haben ergeben, dass damit tatsächlich FGM gemeint ist, was in Ungarn selbstverständlich genauso verboten ist wie bei uns", so Bayr. "Als erste Initiative habe ich bereits letzte Woche eine offizielle Protestnote an die ungarische Botschaft in Wien geschickt."

   Bayr sagt, dass "die strukturelle Gewalt an Frauen durch Modernisierung allein nicht auszurotten" sei. "Es sind auch bei uns sogenannte 'kulturelle' Gründe, die sogar die Frauen selbst dazu bringen, gegen sie gerichtete Gewalt - selbst im intimsten Bereich der Sexualität - zuzulassen", so Bayr. "Die moderne Schönheitschirurgie hat den Wahn der Vorstellung eines einzig zulässigen Schönheitsideals leider nur verstärkt und steht heute an dem unvorstellbaren Punkt, dass Frauen sogar meinen, ihre Genitalien künstlich einem 'Optimum' anpassen zu müssen - wir haben unseren Kampf gegen FGM also auch verstärkt in Europa fortzuführen und den Kreis der Angesprochenen deutlich zu erweitern!"
 (Schluss) hf

APA108    2010-02-07/11:30