Zum Inhalt springen
 

APA163 5 AA 0495                                          22.Sep 09

Angespannte Lage in Honduras nach Rückkehr Zelayas - TM

Utl.: Tausende versammeln sich vor brasilianischer Botschaft - Interimsregierung fordert Auslieferung - Clinton für Dialog - EU warnt Konfliktparteien vor Gewalt =

   Tegucigalpa/New York/Brüssel/Wien (APA/AP/AFP) - Im Anschluss an seine Rückkehr nach Honduras hat der gestürzte Präsident Manuel Zelaya seine politischen Gegner in der Interimsregierung zu Verhandlungen aufgerufen. Er bemühe sich, einen Dialog herzustellen, sagte Zelaya am Montag in der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa. Die Interimsregierung unter Roberto Micheletti forderte Brasilien auf, Zelaya den Behörden zu übergeben, um ihn vor Gericht zu stellen. Die EU rief die Konfliktparteien zu einer friedlichen Lösung auf.

   Rund um die Botschaft versammelten sich trotz eines Ausgehverbots mehrere tausend Anhänger Zelayas. "Wir sind hier, um ihn zu unterstützen und zu beschützen", sagte der 43-jährige Juwelier Carlos Salgado aus Zelayas Heimatregion Olancho. "Wir werden solange bleiben wie möglich." Als der Strom in dem Häuserblock abgeschaltet wurde, beleuchteten sie die Szene mit dem Licht ihrer Handys.

   Die Behörden schlossen auch den internationalen Flughafen von Tegucigalpa und errichteten Straßensperren. Verteidigungsminister Lionel Sevilla erklärte, alle Flüge seien bis auf weiteres ausgesetzt. Die Behörden wollen verhindern, dass Anhänger Zelayas aus anderen Regionen in die Hauptstadt kommen. Der gestürzte Präsident rief die Bevölkerung zu friedlichen Demonstrationen und die Streitkräfte zu Zurückhaltung auf. "Dies ist der Augenblick der Versöhnung", sagte Zelaya. Die Lehrergewerkschaft kündigte einen unbefristeten Streik an, um die Forderung Zelayas nach seiner
Wiedereinsetzung zu unterstützen.

   Die Interimsregierung wurde von der Rückkehr Zelayas offenbar völlig überrascht. Zelaya sagte, er sei 15 Stunden lang mit mehreren Autos nach Tegucigalpa gefahren. Den Zeitpunkt für seine Rückkehr wählte er offenbar mit Blick auf die UNO-Vollversammlung in New York. Dort rief US-Außenministerin Hillary Clinton die Konfliktparteien in Honduras zu einer friedlichen Lösung auf. "Es ist unbedingt erforderlich, dass ein Dialog beginnt, dass es einen Kommunikationskanal gibt zwischen Präsident Zelaya und dem De-Facto-Regime in Honduras", sagte Clinton auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem costaricanischen Präsidenten Oscar Arias. Dieser hat wochenlang zwischen beiden Seiten in Honduras vermittelt. Arias sagte, es sei jetzt die beste Zeit, dass Zelaya zurückgekehrt sei.

   Der schwedische EU-Ratsvorsitz erklärte in einer am Dienstag in Brüssel veröffentlichten Erklärung, alle Seiten müssten Ruhe bewahren und von Gewalt Abstand nehmen. Die EU plädierte erneut für "eine Verhandlungslösung". Der linksgerichtete Präsident wurde am 28. Juni von Soldaten überwältigt und nach Costa Rica gebracht. Im Ausland sicherte er sich die Unterstützung der USA und der meisten lateinamerikanischen Staaten. Auch die UNO-Vollversammlung sprach sich für die Wiedereinsetzung Zelayas in sein Amt aus. Die USA und die EU kürzten ihre Finanzhilfe für Honduras, um die Interimsregierung unter Druck zu setzen.

   SPÖ-Entwicklungssprecherin Petra Bayr sagte, die Rückkehr Zelayas nach Honduras biete die Chance auf einen Neuanfang ohne Blutvergießen, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen. Das Ziel sei, aus der "momentanen undemokratischen Situation" den Weg zurück zu demokratischen Strukturen zu finden, hieß es in der Aussendung. Bayr forderte zugleich ein Ende der Repressalien gegen die Anhänger des gestürzten Präsidenten und rief alle Beteiligten zu Besonnenheit auf.
 (Schluss) cvo/hf

APA163    2009-09-22/11:01