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Polen bereitet Austritt aus Istanbul-Konvention vor

Regierungsparteien in Polen haben heute eine Gesetzesvorlage unter dem Titel „Ja zur Familie, nein zu Gender“ im polnischen Parlament eingebracht

Eine neue Gesetzesvorlage soll in Polen die Istanbul-Konvention ablösen. Den Austritt aus derselbigen hat Polen heute mit einem Parlamentsbeschluss vorbereitet. Bereits vor etwas mehr als einer Woche ist die Türkei aus der Konvention ausgetreten. Die Istanbul-Konvention des Europarats dient dem Schutz von Frauen vor geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt. „Für Frauen, die von Gewalt bedroht sind, sind die Familie und das nahe Umfeld die gefährlichsten Orte“, warnt Petra Bayr, Vorsitzende des Ausschusses für Gleichbehandlung und Antidiskriminierung der parlamentarischen Versammlung des Europarats, und kritisiert: „So zu tun, als würde in Familien, nur wenn sie rechtlich definiert sind, keine häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt stattfinden, ist nicht nur scheinheilig, sondern mordsgefährlich für Frauen und Kinder!“ 

SPÖ-Europaabgeordnete und Vorsitzende des Ausschusses für Frauenrechte und Gleichstellung im EU-Parlament Evelyn Regner ergänzt: "Ein Austritt Polens aus der Istanbul-Konvention wäre die Krönung einer seit Jahren vorbereiteten autoritären Kampagne in Polen. Unter dem Deckmantel der ‚Familienpolitik‘ macht die rechtsautoritäre PiS-Regierung mobil gegen Gewaltschutz, Gleichberechtigung und eine Gesellschaft, in der es auch Familien gibt, die nicht in eine Vater-Mutter-Kind-Schablone passen. Für diese autoritären Machos sind Frauen nur dann etwas wert, wenn sie Kinder zur Welt bringen und das Essen auf den Tisch stellen. Das kann es in Europa nicht geben. Die EU wird die Grundrechte aller Europäerinnen in allen Mitgliedstaaten schützen."

„Für viele Frauen und LGBTIQ+ Personen war es ein großer Schritt der Befreiung, dass eine zeitgemäße Auffassung von Gender biologistische Geschlechtszuschreibungen abgelöst hat. Wenn die aktuellen Entwicklungen nicht so gefährlich für Frauen, LGBTIQ+ Personen und Kinder wären, würde ich es einfach  nur lächerlich finden, dass Polen zurück in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts will“ ist Bayr empört.

Die Gesetzesvorlage „Ja zur Familie, nein zu Gender“ wurde dem Außenausschuss und dem Justiz- und Menschenrechtsausschuss zur weiteren Beratung zugewiesen.

„Es ist äußerst beunruhigend, dass Polen angekündigt hat, auch andere Mitgliedstaaten der EU, Kroatien, Slowenien, die Slowakei und die Tschechische Republik, zu einem Austritt aus der Istanbul-Konvention überreden zu wollen. Wir müssen alle gemeinsam die ultrakonservative Welle in Europa stoppen!“, appelliert Bayr. 

 

Rückfragehinweis:
SPÖ-Parlamentsklub 01/40110-3570

klub(at)spoe.athttps://klub.spoe.at

 

English:

EPF President Petra Bayr condemns Poland's move to leave the Istanbul Convention

 

In reaction to the Polish parliament's process to withdraw from the the Council of Europe Convention on preventing and combating violence against women and domestic violence (2011), also known as the Istanbul Convention, EPF President, Petra Bayr condemns the draft replacement bill titled "Yes for family, no for gender" and highlights its danger for women and girls. 

The Polish political developments follow after Turkey left Istanbul Convention a little more than a week ago. Following in its footsteps, Poland is preparing to to replace the Istanbul Convention with a convention supporting a singular family model and removing protection for children in family settings and for those who fall outside the patriarchal family model, as LGBTIQ+ people. 

Petra Bayr, chairperson of the Committee on Equality and Non-Discrimination at the Parliamentary Assembly of the Council of Europe, warns of the dangerous consequences for women and children:

“Family is a dangerous place for women threatened by violence. It Is a grave misconception to think, that women and children are safe in their families. This is hypocritical if not dangerous for the lives of women and children.”

She continues to advocate for LGBTIQ+ people who are at a heightened risk in the face of domestic violence: 

"Replacing biologistic gender ascriptions with the contemporary concept of gender was a great step of liberation for many women and LGBTIQ+ persons."

"If the current developments were not as harmful to women, LGBTIQ+ people and children, I would find it simply ridiculous that Poland wants to go back to the 1950s"

Currently, the new draft law “Yes for family, no for gender” was sent to the parliamentary committees on foreign affairs and committee on justice and human rights for review. Approving the bill would be a drastic step back for all Polish women & their fundamental rights. 

However, the developments in Poland are not isolated and risk creating a larger trend to move away from human rights conventions. 

“It really worries me that Poland announced that it will ask other EU member states to join them in leaving Istanbul Convention like Croatia, Slovenia, Slovakia and Czech Republic. Together we have to stop the ultraconservative movement in Europe!”, Bayr points out.

 

Link: EPF President Petra Bayr condemns Poland's move to leave the Istanbul Convention | EPF (epfweb.org)